Nachdem meine Pico Computer 3 inzwischen angekommen sind und die ersten Funktionstests erfolgreich waren, möchte ich mir die Möglichkeiten dieses kleinen Rechners etwas genauer ansehen.
Der Pico Computer 3 bietet deutlich mehr als einen Raspberry Pi Pico 2 mit HDMI-Anschluss. Neben HDMI, USB-Tastatur und -Maus stehen unter anderem eine Micro-SD-Karte, zusätzlicher PSRAM, eine Echtzeituhr, I²S-Audio sowie – mit dem entsprechenden RM2-Modul – WLAN und Bluetooth zur Verfügung.
In einer kleinen Serie möchte ich die einzelnen Funktionen nach und nach ausprobieren und hier im Blog vorstellen.
Dieser erste Beitrag soll zunächst einen Überblick darüber geben, was der Pico Computer 3 bietet und welche Tests geplant sind.
HDMI-Grafikausgabe
Der Pico Computer 3 besitzt einen direkten HDMI-Ausgang und kann damit ohne zusätzliche Hardware an einen HDMI-Monitor angeschlossen werden.
Auflösung und Bildwiederholrate können in MMBasic über OPTION RESOLUTION konfiguriert werden.
Mit der von mir derzeit verwendeten PicoMiteHDMIWEB MMBasic USB RP2350B Edition stehen die Grafikmodi MODE 1, MODE 2 und MODE 5 zur Verfügung.
Wichtig: MODE 3 und MODE 4 werden von der PicoMiteHDMIWEB-Firmware nicht unterstützt.
Das muss insbesondere berücksichtigt werden, wenn vorhandene PicoMite-HDMI-Programme auf dem Pico Computer 3 ausgeführt werden sollen.
VGA-Ausgabe mit dem HDMI2VGA-Adapter
Für den Pico Computer 3 gibt es außerdem eine kleine HDMI2VGA-Adapterplatine.
Der Name ist zunächst etwas missverständlich: Es handelt sich dabei nicht um einen üblichen aktiven HDMI-zu-VGA-Konverter, der einfach zwischen HDMI-Ausgang und VGA-Monitor gesteckt wird.
Stattdessen ermöglicht die Platine, den Pico Computer 3 mit einer entsprechenden PicoMiteVGA-Firmware als VGA-PicoMite zu betreiben. Dazu werden die benötigten VGA-Signale über die GPIO-Pins herausgeführt.
Die VGA-Konfiguration, beispielsweise mit OPTION VGA PINS GP12,GP14, steht deshalb unter der PicoMiteHDMIWEB-Firmware nicht zur Verfügung.
Den Adapter und den dafür notwendigen Firmwarewechsel werde ich in einem eigenen Beitrag ausprobieren.
USB-Tastatur, USB-Maus und USB-Gamepad
Über den USB-Host-Anschluss können eine USB-Tastatur und eine USB-Maus angeschlossen werden. Aber auch USB-Gamepads erkennt der Pico Computer 3.
Damit lässt sich der Pico Computer 3 praktisch wie ein kleiner eigenständiger BASIC-Computer verwenden – Monitor, Tastatur und Stromversorgung anschließen und loslegen.
Auch die Maus kann innerhalb von MMBasic verwendet werden, beispielsweise im eingebauten Programmeditor.
Micro-SD-Karte
Zusätzlich zum internen Flash-Speicher besitzt der Pico Computer 3 einen Micro-SD-Kartensteckplatz.
Das interne Flash-Dateisystem steht in MMBasic als Laufwerk A: zur Verfügung, die Micro-SD-Karte als Laufwerk B:.
Programme, Bilder und Datendateien können dadurch bequem am PC auf eine SD-Karte kopiert und anschließend direkt auf dem Pico Computer 3 verwendet werden.
16 MB Flash
Der Pico Computer 3 verfügt über 16 MB externen Flash-Speicher. Auf der Platine ist dafür ein Winbond W25Q128JV mit 128 Mbit Speicherkapazität verbaut.
Ein Teil des Flash-Speichers wird von MMBasic als internes Laufwerk A: verwendet. BASIC-Programme und andere Dateien können daher auch ohne eingesetzte Micro-SD-Karte dauerhaft gespeichert werden.
Zusätzlicher PSRAM
Neben dem internen RAM des RP2350B verfügt der Pico Computer 3 über 8 MB zusätzlichen PSRAM. Dafür ist ein APS6404L-3SQR von AP Memory mit 64 Mbit Speicherkapazität verbaut.
Bei meinem Pico Computer 3 meldet der MMBasic-Befehl MEMORY davon rund 6,3 MB freien Speicher.
Das ist insbesondere für größere Programme, Grafikpuffer und andere speicherintensive Anwendungen interessant.
I²S-Audio
Der Pico Computer 3 besitzt außerdem die notwendige Hardware für I²S-Audio.
Damit ergeben sich interessante Möglichkeiten für Sound, Musik und Spiele. Welche Audiofunktionen von der jeweils verwendeten PicoMite-Firmware unterstützt werden, werde ich in einem eigenen Test untersuchen.
DS3231-Echtzeituhr
Eine DS3231-Echtzeituhr (RTC) sorgt zusammen mit einer CR2032-Pufferbatterie dafür, dass Datum und Uhrzeit auch bei ausgeschaltetem Pico Computer 3 weitergeführt werden.
Mit OPTION RTC AUTO ENABLE kann MMBasic beim Start Datum und Uhrzeit automatisch von der RTC übernehmen.
Das lässt sich sehr einfach mit DATE$ und TIME$ überprüfen.
WLAN mit dem RM2-Modul
Besonders interessant ist das Raspberry Pi RM2 Wireless Module, das dem Pico Computer 3 WLAN und Bluetooth zur Verfügung stellt.
Mit der PicoMiteHDMIWEB-Firmware kann der Pico Computer 3 mit dem heimischen WLAN verbunden werden.
Einen ersten Versuch habe ich bereits durchgeführt: Nach erfolgreicher WLAN-Verbindung konnte ich den Pico Computer 3 mit PuTTY über Telnet von meinem PC aus bedienen.
Darüber hinaus eröffnet die Netzwerkunterstützung weitere Möglichkeiten, beispielsweise TCP/IP- und UDP-Kommunikation sowie HTTP- und Web-Anwendungen.
Auch diese Möglichkeiten möchte ich in weiteren Beiträgen genauer ausprobieren.
Bluetooth
Das RM2-Modul bietet hardwareseitig neben WLAN auch Bluetooth.
Für PicoMite existieren spezielle Firmwarevarianten mit Unterstützung für Bluetooth Low Energy (BLE) und HID-Geräte wie Tastaturen, Mäuse und Gamepads.
Dabei ist wichtig, zwischen der Hardwareausstattung des Pico Computer 3 und den Möglichkeiten der jeweils installierten Firmware zu unterscheiden. Bluetooth steht nicht automatisch in jeder PicoMite-Firmwarevariante zur Verfügung.
Als Testgerät habe ich bereits einen 8BitDo Zero 2 Bluetooth-Controller. Besonders interessant wird sein, ob er sich als drahtloses Gamepad oder im Keyboard-Modus mit dem Pico Computer 3 verwenden lässt.
Das wird auf jeden Fall einen eigenen Test wert sein.
Qwiic-/STEMMA-QT-Anschluss
Über den JST-SH-Anschluss lassen sich kompatible I²C-Module relativ einfach anschließen.
Damit können beispielsweise Sensoren, Displays, ADCs und andere I²C-Erweiterungen verwendet werden, ohne dafür jedes Modul einzeln verdrahten zu müssen.
Auch hierzu bietet sich ein kleines MMBasic-Testprogramm an.
GPIO und weitere Schnittstellen
Natürlich bleibt der Pico Computer 3 trotz seiner umfangreichen Ausstattung ein Mikrocontroller-System für eigene Experimente.
Je nach verwendeter Firmware und Pinbelegung stehen unter anderem digitale Ein- und Ausgänge, ADC, PWM, UART, SPI und I²C zur Verfügung.
Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, welche GPIO-Pins bereits durch HDMI, USB, SD-Karte, Audio und andere Komponenten belegt sind.
Alternative Firmware
Der Pico Computer 3 ist nicht auf PicoMiteHDMIWEB beschränkt.
Durch einen Firmwarewechsel kann dieselbe Hardware beispielsweise auch mit einer PicoMiteVGA-Variante verwendet werden. Genau das werde ich beim Test des HDMI2VGA-Adapters ausprobieren.
Daneben gibt es weitere Softwaremöglichkeiten wie MicroPython, die ich eventuell später ebenfalls untersuchen werde.
Wie geht es weiter?
Dieser Beitrag ist zunächst nur als Überblick gedacht.
In den kommenden Beiträgen möchte ich die einzelnen Funktionen nicht nur beschreiben, sondern tatsächlich auf meinem Pico Computer 3 ausprobieren. Wo es sinnvoll ist, werde ich dazu kleine MMBasic-Testprogramme erstellen und die notwendigen Einstellungen dokumentieren.
Geplant sind unter anderem Tests zu:
- HDMI, Auflösungen und Grafikmodi
- USB-Tastatur, USB-Maus und USB-Keypad
- Micro-SD-Karte und Flash-Laufwerk
- PSRAM
- RTC
- I²S-Audio
- WLAN-Einrichtung
- Telnet mit PuTTY
- Netzwerk- und Webfunktionen
- Bluetooth und 8BitDo Zero 2
- HDMI2VGA-Adapter und PicoMiteVGA
- Qwiic/I²C-Erweiterungen
- Alternative Firmware
- MicroPython
- FUZIX (Unix-ähnliches Betriebssystem)
- CircuitPython
Sobald die einzelnen Tests abgeschlossen sind, werde ich die entsprechenden Beiträge auch hier verlinken. Dieser Artikel soll damit gleichzeitig als Übersicht über die gesamte Pico-Computer-3-Serie dienen.
Damit dürfte mir für die nächsten Beiträge jedenfalls nicht so schnell der Stoff ausgehen. 🙂













