Pico Computer 3 im Praxistest: HDMI, Auflösungen und Grafikmodi

In meinem Beitrag „Pico Computer 3 – Features und Testmöglichkeiten“ hatte ich angekündigt, die verschiedenen Funktionen des kleinen Rechners nach und nach praktisch auszuprobieren.

Beginnen möchte ich mit einer der wichtigsten Funktionen: der HDMI-Grafikausgabe.

Eigentlich sollte das ganz einfach sein: HDMI-Kabel anschließen, Monitor einschalten und loslegen. Bei meinen ersten Versuchen zeigte sich allerdings schnell, dass es durchaus einige interessante Details zu entdecken gibt.

So funktionierte mein Pico Computer 3 an einem älteren Samsung-Monitor auf Anhieb, während mein EIZO FlexScan EV2455 zunächst nur die Meldung

HDMI: Signal Error

anzeigte.

Inzwischen ist auch geklärt, warum.

Gleichzeitig habe ich verschiedene Einstellungen und Grafikmodi der PicoMiteHDMIWEB-Firmware ausprobiert. Zeit also für den ersten ausführlicheren Praxistest meiner Pico-Computer-3-Serie.

Mein Testaufbau

Für die Versuche verwende ich meinen Pico Computer 3 mit der PicoMiteHDMIWEB-Firmware für den RP2350B.

Als Monitore kamen zwei recht unterschiedliche Geräte zum Einsatz:

  • EIZO FlexScan EV2455
  • Samsung SyncMaster P2770

Gerade diese Kombination erwies sich im Nachhinein als ausgesprochen nützlich, denn beide Monitore reagieren auf die HDMI-Ausgabe des Pico Computer 3 unterschiedlich.

Der erste Start – und kein Bild

Beim ersten Anschließen des Pico Computer 3 an meinen EIZO FlexScan EV2455 bekam ich zunächst kein brauchbares Bild. Der Monitor meldete lediglich:

HDMI: Signal Error

Zunächst lag natürlich der Verdacht nahe, dass mit dem Pico Computer 3 oder der HDMI-Verbindung etwas nicht stimmt.

Also probierte ich einen zweiten Monitor aus.

An meinem wesentlich älteren Samsung SyncMaster P2770 erschien sofort das erwartete MMBasic-Bild.

Damit war zumindest klar: Der Pico Computer 3 und sein HDMI-Ausgang funktionieren.

Der Unterschied musste also irgendwo bei den vom Monitor akzeptierten HDMI-Signalen liegen.

640 × 480 mit 75 Hz

Der Pico Computer 3 war auf folgende Einstellung konfiguriert:

OPTION RESOLUTION 640,315000

Damit wird eine Auflösung von 640 × 480 Pixeln mit 75 Hz verwendet.

Mein Samsung SyncMaster P2770 kommt mit dieser Einstellung problemlos zurecht. Der EIZO EV2455 dagegen nicht.

Also stellte ich die Ausgabe auf 60 Hz um:

OPTION RESOLUTION 640,252000

Und siehe da: Nun erschien das Bild auch auf dem EIZO.

Damit war zunächst eine einfache Lösung gefunden.

Die eigentliche Ursache war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht geklärt.

Wolfgang stolpert über dasselbe Problem

Interessant wurde die Sache einige Tage später.

Wolfgang hatte ebenfalls einen Pico Computer 3 angeschlossen und meldete sich bei mir, weil sein Monitor nur

HDMI: Signal Error

anzeigte.

Da mir das Verhalten inzwischen bekannt vorkam, empfahl ich ihm, die Einstellung auf 60 Hz umzuschalten.

Das Problem dabei: Ohne Bild kann man natürlich nicht sehen, was man eingibt.

Also blieb nur die etwas ungewöhnliche Lösung, den Befehl „blind“ einzutippen:

OPTION RESOLUTION 640,252000

und anschließend Enter zu drücken.

Das funktionierte tatsächlich. Danach hatte Wolfgang ein Bild.

Dann erwähnte er seinen Monitor:

EIZO FlexScan EV2455.

Und damit wurde die Sache richtig interessant, denn genau diesen Monitor verwende ich ebenfalls.

Zwei Pico Computer 3, zwei EIZO EV2455 und zweimal dasselbe Verhalten.

Der EV2455 kann doch 75 Hz

Wolfgang stellte daraufhin eine berechtigte Frage.

Der EIZO EV2455 unterstützt schließlich durchaus Bildwiederholraten von 75 Hz. Warum funktioniert dann ausgerechnet die Ausgabe des Pico Computer 3 nicht?

Die Erklärung findet sich in der Dokumentation des Monitors.

Entscheidend ist nämlich nicht allein die Bildwiederholrate, sondern die Kombination aus Auflösung, Frequenz und Eingang.

Bei 640 × 480 Pixeln unterstützt der EV2455 die 75 Hz über den analogen D-Sub/VGA-Eingang. Für die digitale HDMI-Verbindung ist bei dieser Auflösung dagegen der 60-Hz-Modus vorgesehen.

Damit passt plötzlich alles zusammen.

Mit

OPTION RESOLUTION 640,315000

liefert der Pico Computer 3 640 × 480 mit 75 Hz.

Der EV2455 akzeptiert diesen Modus über HDMI nicht und meldet:

HDMI: Signal Error

Mit

OPTION RESOLUTION 640,252000

werden dagegen 640 × 480 mit 60 Hz ausgegeben.

Diesen Modus akzeptiert der EV2455 über HDMI – und das Bild erscheint.

Warum funktioniert der alte Samsung?

Eine interessante Frage bleibt:

Warum zeigt mein wesentlich älterer Samsung SyncMaster P2770 die 75-Hz-Ausgabe problemlos an?

Offenbar akzeptiert dieser Monitor das vom Pico Computer 3 erzeugte HDMI-Signal, während der EIZO bei dieser Kombination aus Auflösung und Bildwiederholrate ablehnt.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass ein älterer Monitor nicht automatisch weniger geeignet sein muss.

Im Gegenteil: Gerade bei etwas ungewöhnlicheren Videomodi können ältere Geräte manchmal erstaunlich tolerant sein.

Welche Grafikmodi funktionieren?

Nachdem die HDMI-Ausgabe zuverlässig funktionierte, konnte ich auch die verschiedenen MODE-Einstellungen ausprobieren.

Auf meinem Pico Computer 3 mit der getesteten PicoMiteHDMIWEB-Firmware funktionieren:

MODE 1

MODE 2

MODE 5

Bei meinen Versuchen mit MODE 3 und MODE 4 erhielt ich dagegen die Fehlermeldung:

Error : Mode not available in this resolution

Zunächst vermutete ich, dass dies mit meiner Umstellung auf 640 × 480 bei 60 Hz zusammenhängen könnte.

Deshalb probierte ich die Modi erneut mit der ursprünglichen höheren Bildwiederholrate aus.

Auch bei

OPTION RESOLUTION 640,315000

standen MODE 3 und MODE 4 nicht zur Verfügung.

Ein weiterer Versuch mit einer anderen Auflösung änderte daran ebenfalls nichts.

Damit war klar, dass es sich nicht einfach um eine Folge der Umstellung von 75 auf 60 Hz handelt.

Für meine bisherigen Tests mit dem Pico Computer 3 stehen somit praktisch die Modi 1, 2 und 5 zur Verfügung.

Für die Programme aus meinem MMBasic-Tutorial ist das übrigens kein Problem. Die von mir bisher getesteten Beispiele laufen auch auf dem Pico Computer 3.

60 Hz als Grundeinstellung

Aus den Tests ergibt sich für mich noch eine ganz praktische Konsequenz.

Die fünf Pico-Computer-3-Sets, die ich derzeit aufbaue, werde ich sicherheitshalber mit

OPTION RESOLUTION 640,252000

also mit 640 × 480 bei 60 Hz konfigurieren.

60 Hz dürfte bei HDMI-Monitoren die deutlich kompatiblere Grundeinstellung sein.

Wer anschließend mit 75 Hz experimentieren möchte und einen passenden Monitor besitzt, kann die Einstellung jederzeit ändern.

Für die Ersteinrichtung ist mir aber wichtiger, dass nach dem Anschließen möglichst sofort ein Bild erscheint.

Denn nichts ist unangenehmer, als einen neuen Rechner auszupacken, anzuschließen und als Erstes vor einem schwarzen Bildschirm zu sitzen.

Was tun bei „HDMI: Signal Error“?

Falls beim Pico Computer 3 nach dem Einschalten kein Bild erscheint oder der Monitor „HDMI: Signal Error“ meldet, würde ich deshalb zunächst die 60-Hz-Einstellung ausprobieren:

OPTION RESOLUTION 640,252000

Falls man überhaupt keine Bildschirmausgabe bekommt, kann der Befehl auch blind über die Tastatur eingegeben und mit Enter bestätigt werden.

Bei Wolfgang hat genau das funktioniert.

Alternativ lohnt sich natürlich auch der Versuch mit einem zweiten Monitor oder Fernseher. Sobald dort ein Bild erscheint, lässt sich die Einstellung bequem ändern.

Zwischenfazit

Mein erster ausführlicher Test des Pico Computer 3 hat damit gleich eine interessante Besonderheit zutage gefördert.

Der HDMI-Ausgang selbst funktionierte von Anfang an. Das eigentliche Problem war die Kombination aus 640 × 480, 75 Hz und dem HDMI-Eingang des EIZO EV2455.

Besonders interessant finde ich, dass wir dem Problem erst durch Wolfgangs Rückmeldung wirklich auf die Spur gekommen sind. Dass wir zufällig beide denselben Monitor verwenden und bei beiden Geräten exakt dasselbe Verhalten auftrat, war für die Fehlersuche natürlich ideal.

Die für mich wichtigste Erkenntnis lautet daher:

640 × 480 bei 60 Hz ist für den Pico Computer 3 die sicherere HDMI-Grundeinstellung.

Und damit ist der erste Punkt meiner geplanten Pico-Computer-3-Testreihe abgehakt.

Als Nächstes gibt es schließlich noch einiges auszuprobieren: USB-Tastatur und Maus, SD-Karte und Flash, Audio, RTC, WLAN, Bluetooth und natürlich die verschiedenen Schnittstellen des Pico Computer 3.

Langweilig wird es also so schnell nicht. 🙂

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