Ein Klassiker der Mikroprozessor-Geschichte
Im Jahr 2026 feiert einer der klassischen 8-Bit-Prozessoren sein Jubiläum: Der Intel 8085 [1] wurde im März 1976 vorgestellt und gehört damit seit einem halben Jahrhundert zur Geschichte der Mikrocomputertechnik.
Der 8085 war eine Weiterentwicklung des erfolgreichen Intel 8080, der Mitte der 1970er-Jahre zu den wichtigsten Prozessoren der frühen Mikrocomputer gehörte. Intel vereinfachte beim neuen Modell vor allem die Systemintegration. Während der 8080 noch drei unterschiedliche Versorgungsspannungen benötigte, kam der 8085 mit einer einzigen +5-Volt-Versorgung aus. Dadurch reduzierte sich der Schaltungsaufwand erheblich – ein großer Vorteil für Entwickler.
Zusätzlich integrierte Intel mehrere Funktionen, die zuvor nur mit externer Logik realisiert werden konnten. Dazu gehörten serielle Ein- und Ausgabesignale sowie eine erweiterte Interrupt-Logik. Diese Verbesserungen machten den Prozessor besonders attraktiv für Trainingssysteme, industrielle Steuerungen und eingebettete Anwendungen.
Im Bereich der Heim- und Personalcomputer wurde der 8085 jedoch bald von anderen 8-Bit-Prozessoren verdrängt. Besonders der Zilog Z80 – ebenfalls 1976 erschienen – setzte sich dank seiner erweiterten Befehlssatzkompatibilität zum 8080 und zusätzlicher Funktionen in vielen Systemen durch, insbesondere im CP/M-Umfeld. Dennoch blieb der 8085 über viele Jahre hinweg in technischen und industriellen Anwendungen präsent.
Lernsysteme und industrielle Anwendungen
Eine wichtige Rolle spielte der Prozessor in Ausbildungs- und Entwicklungsplattformen. Ein bekanntes Beispiel ist das Intel SDK-85, ein Einplatinen-Entwicklungssystem mit Monitorprogramm, Tastatur und LED-Anzeige. Solche Systeme wurden in Hochschulen und Ausbildungsstätten eingesetzt, um Studierenden den Aufbau und die Programmierung von Mikroprozessoren näherzubringen.
Auch in Europa war der Prozessor in Ausbildungssystemen verbreitet. Ein Beispiel ist das Siemens ECB-85, ein Einplatinencomputer aus deutscher Entwicklung, der in Schulungsumgebungen und technischen Lehrgängen eingesetzt wurde.
Neben diesen Lernsystemen fand der 8085 vor allem in industriellen Steuerungen, Messgeräten und Kommunikationssystemen Verwendung. Seine vergleichsweise einfache Systemarchitektur und die robuste Verfügbarkeit machten ihn für solche Aufgaben besonders attraktiv.
Bekannte Geräte mit Intel-8085-Prozessor
Obwohl der 8085 selten das Herz klassischer Heimcomputer war, tauchte er in verschiedenen bekannten Geräten auf:
TRS-80 Model 100 (1983)
Einer der ersten erfolgreichen tragbaren Computer nutzte eine CMOS-Variante des Prozessors, den 80C85. Das Gerät bot ein integriertes LCD-Display, eine vollständige Tastatur und eingebaute Anwendungen wie Textverarbeitung und Terminalsoftware – und war bei Journalisten und Technikern sehr beliebt.
DEC VT102 (1983)
Das weit verbreitete ASCII-Terminal von Digital Equipment Corporation verwendete einen 8085 als Steuerprozessor für Tastatur, Anzeige und Kommunikation.
Intel SDK-85 (ab 1977)
Ein offizielles Entwicklungs- und Trainingssystem von Intel, das Entwicklern den Einstieg in die Programmierung des 8085 erleichtern sollte.
Sojourner (1997)
Auch in der Raumfahrt kam der Prozessor zum Einsatz. Der kleine Rover der Mars Pathfinder verwendete einen strahlungsresistenten 80C85, der seine Steuerung übernahm. Damit wurde ein Nachkomme des 8085 sogar auf einem anderen Planeten eingesetzt.
Ein langlebiger Prozessor
Obwohl der 8085 im klassischen Personal-Computer-Markt schnell von anderen Architekturen abgelöst wurde, blieb er in vielen Bereichen über Jahrzehnte hinweg im Einsatz. Industriesteuerungen, Messgeräte, Kommunikationshardware und Ausbildungssysteme nutzten seine einfache Architektur und die große Verfügbarkeit.
Auch heute noch lebt der Prozessor weiter – etwa in Retro-Computing-Projekten, Homebrew-Systemen und Lehrplattformen, die den Aufbau klassischer Mikroprozessor-Systeme vermitteln.
Nach 50 Jahren hat der Intel 8085 damit einen festen Platz in der Geschichte der Mikroprozessoren – als robuster, gut verständlicher und langlebiger Vertreter der frühen 8-Bit-Generation.
Infokasten
Intel 8085 – Technische Daten
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Erscheinungsjahr | 1976 |
| Hersteller | Intel |
| Architektur | 8-Bit |
| Datenbus | 8 Bit |
| Adressbus | 16 Bit |
| Adressierbarer Speicher | bis zu 64 KB |
| Taktfrequenz | typ. 3–6 MHz |
| Register | A, B, C, D, E, H, L + Flag-Register |
| Versorgungsspannung | +5 V |
| Gehäuse | 40-Pin DIP |
| Interrupts | TRAP, RST 7.5, 6.5, 5.5, INTR |
| Serielle I/O | SID (Input), SOD (Output) |
Zeitstrahl
Von 8 Bit zu 16 Bit: Intels Mikroprozessoren der 1970er
1974 – Intel 8080
Der 8080 wird vorgestellt und wird schnell zum Herz vieler früher Mikrocomputer. Systeme wie der Altair 8800 machen ihn berühmt und begründen die erste große Welle der Mikrocomputer-Bewegung.
1976 – Intel 8085
Intel verbessert den 8080 und vereinfacht vor allem die Systemintegration: Der 8085 benötigt nur noch eine einzige +5-Volt-Versorgung und enthält zusätzliche Funktionen wie serielle I/O-Leitungen und eine integrierte Interrupt-Logik. Besonders in Trainingssystemen, Embedded-Anwendungen und industriellen Steuerungen wird er weit verbreitet.
1976 – Zilog Z80
Der von ehemaligen Intel-Ingenieuren entwickelte Z80 erscheint im selben Jahr. Dank vollständiger 8080-Kompatibilität und zusätzlicher Register setzt er sich schnell in vielen CP/M-Systemen durch.
1978 – Intel 8086
Mit dem 8086 beginnt bei Intel die 16-Bit-Ära. Die Architektur bildet später die Grundlage für die x86-Prozessorfamilie.
1981 – Intel 8088
Eine Variante des 8086 mit 8-Bit-Datenbus wird im IBM Personal Computer eingesetzt – der Beginn der PC-Kompatiblen.
Bildverzeichnis
- Bild 1: Intel P8085
https://de.wikipedia.org/wiki/Intel_8085
Links
- Intel 8085
https://de.wikipedia.org/wiki/Intel_8085
